Verkehr und Verkehrswege im 18. und 19. Jahrhundert

Richtscheid beschreibt die Situation des 18. Jahrhunderts so:

"Die Wege waren in einem fürchterlichen Zustand, so daß die Wagen oft im Schlamm steckenblieben.

Durch die Gemarkung Weinheim führten drei große Verkehrswege nach der Oberamtsstadt Alzey: die Jungstraße am Sommerberg,

die dem Verkehr zwischen Mauchenheim und Alzey diente, die Holzstraße, die Verbindung nach dem Vorholz,

sowie die Niederwieser-Straße, heute noch ,,Stroß" genannt."
Kaiser Napoleon legte 1811 - aus strategischen Gründen - als neue Straße die "Pariser Chaussee" an.

Diese berührt die Südgrenze der Gemarkung. Unter der hessischen Regierung wurde die Straße von Alzey über Weinheim

zum Vorholz erst 1830 fertig. Für die Weinheimer bedeutete der Bau namhafte Verdienstmöglichkeiten

und einen angenehmen Verkehrsfortschritt. Nach Richtscheid sollte 1869 die Bahnstrecke

Alzey-Kirchheimbolanden durch die Gemarkung Weinheim geführt werden.

Auf halber Höhe des Sommerberges war schon vermessen und abgesteckt.

"Der Plan scheiterte aber an dem geringen Interesse der Gemeinde, die sich weigerte, Zuschüsse zu bezahlen."
Die andern Verkehrsverbindungen wurden erst um die Jahrhundertwende hergestellt.

Zum 5. Dezember 1896 vermerkt das Protokollbuch der Gemeinde:

Schon vor 20 Jahren wurde seitens der Gemeinde Weinheim die Notwendigkeit einer Kreisstraße von Weinheim nach Erbes-Büdesheim

anerkannt und deren Erbauung durch den Kreis 1881 und in dieser Zeit wiederholt beantragt. Es sollte die Straße ursprünglich

auf dem kürzesten Weg nach Erbes-Büdesheim geführt werden. Der zu starken Steigung wegen wurde jedoch hiervon Abstand

genommen und nunmehr die Erbauung durch das Adlerthal in Vorschlag gebracht.

In den folgenden Jahren wird das Vorhaben durchgeführt. 1899 / 1900 wird auch die Straße nach Heimersheim gebaut,

und die Gemeinde muß im Januar 4000 Mark und im August 1900 zum Ausbau der zweiten Teilstrecke 1600 Mark bei der

Kreissparkasse aufnehmen. Weil die Gemeinde "unverhältnismäßig hoch belastet worden ist" und weil sie "kein Interesse daran hat",

werden 1901 ein Vorschlag zum Bau einer Schmalspurbahn Alzey-Kriegsfeld und der Antrag zum Bau einer Kreisstraße

nach Mauchenheim abgelehnt. Erst im September 1910 gab der Gemeinderat sein Einverständnis zum Bau der Straße nach Mauchenheim.


Über die "postalischen Verhältnissen" schreibt Richtscheid: ,,Diese waren um die Mitte des vorigen Jahrhunderts recht primitiv.

Die Postbestellung erfolgte wöchentlich zweimal durch einen Briefboten von Alzey. Erst in den siebziger

Jahren kam die tägliche Bestellung. Die älteren Weinheimer werden sich gewiß noch

des alten Briefträgers Müller erinnern, welcher noch die Orte Albig, Heimersheim, Weinheim und Offenheim

auf einem Rundgang jahrelang versorgte. Von 1882 an wurde eine kleine Fahrpost zwischen Alzey und Nieder-Wiesen eingerichtet;

die Ortsbestellung wurde durch eine Posthilfsstelle und von 1902 an durch eine Postagentur versorgt.

Es war ein Fortschritt von weittragender Bedeutung."