Burg Weinheim / Windburg / Burg Winnenbe

Im 12. Jahrhundert soll westlich auf einer Anhöhe von Weinheim, die Windberg genannt wird, die Burg Winnenberg, Windburg oder auch Burg Weinheim genannt, erbaut worden sein. Es wird berichtet, dass diese von dem damals bedeutenden Rittergeschlecht, den Rittern von Winnenberg, bewohnt wurde. Einer der bekanntesten Vertreter dieses Rittergeschlechts war Marquard von Winnenberg, der im 13. Jahrhundert, also in der Zeit Friedrichs II. und Richards von Cornwall, mehr als dreißig Jahre lang zu Oppenheim Reichsschultheiß war. Aus dem gleichen Haus stammte im 14. Jahrhundert Philipp von Winnenberg, der zeitweise Schultheiß und Ratsherr zu Oppenheim und dann Stadthalter der Stadt Mainz im Rheingau war. Das Wappen der Herren von Winnenberg, ein roter Schild mit zwei weißen Doppelstreifen ist im Rosenfenster der St. Katharinen Kirche zu Oppenheim zu sehen.

Man weiß heute zwar nicht genau, wann die Burg zerstört wurde, jedoch als die Pfalzgrafen im Jahr 1489 die Herrschaft in Weinheim übernahmen, soll die Burg bereits in Schutt und Asche gelegen haben. Immerhin erhhält noch 1440 ein "N. N. von Winnenberg" ein Lehen in Schornsheim. So dürfte das Geschlecht von Winnenberg zu diesem Zeitpunkt noch nicht erloschen sein, auch im Mannestamm nicht, und der Zeitpunkt der Zerstörung der Burg liegt wohl erst nach 1440. Ein anderer Zweig der Familie, "von Dexheim genannt Albich", soll erst im 16. Jahrhundert erloschen sein. Im 18. Jahrhundert gehört das Burggebiet der geistlichen Verwaltung: vielleicht hat das Kloster Sion es an sich gebracht.

Überreste der Burg sollen zu Bauzwecken in Weinheim verwendet worden sein. Widder berichtet 1787 noch von Trümmern "der Burg Windberg auf einer Anhöhe, welche neun Morgen, 29 Ruthen Land enthält, und jetzo der geistlichen Verwaltung zugehöret." Wie Hahn mitteilt, sind 1931 bei Rodungsarbeiten noch Lanzenspitzen und Schnallen gefunden worden und Richtscheid berichtet von einer "interessanten Steintreppe", die sich - wohl als einzigen Überrest der Burg - im alten Gerichtshaus in Weinheim befunden habe. Dieses Haus habe auf dem Gebiet von Wilhelm Meitzler in der Nähe des Pfarrhauses gestanden.

Heute gibt es von der Windburg keine erkennbaren Reste mehr.

Zur Burg gibt es auch noch eine alte Sage, die von der unglücklichen Liebe zwischen Idomir und Hedda erzählt.

Es gibt noch eine Sage, die um die Windburg und ihre Bewohner kreist :

Als die Burg noch wohl erhalten war, lebte dort oben die Witwe des Ritters Henko mit ihrem Sohne Idomir. Dieser war in die schöne Hedda, Tochter eines Alzeyer Ritters, verliebt. Beide waren einander zugetan, aber Heddas Vater hatte sie dem Ritter Eckhard von Neubamberg versprochen. Als Hedda und Idomir am Erlenbusch ein Stelldichein verabredet hatten, riet die Mutter ihrem Sohne davon ab, an den geheimnisvollen Ort zu gehen, weil das Käuzlein geklagt und der Uhu geschrieen, was Verderben zu bedeuten hatte.
Und so kam es auch. Als die Liebenden trotzdem im Erlenbusch vor den Toren Alzeys zusammenkamen, erschien der wütende Eckhard und erschlug das Paar. Beide wurden an der Mordstelle begraben. In sturmbewegten Nächten will man noch heute die Klagen der Mutter vernehmen.

Eine längere Version dieser Sage findet man im Rheinhessischen Heimatbuch von Wilhelm Müller aus dem Jahre 1921:

Hedda und Idomir
Westlich von Weinheim liegt der Windberg, auch Winnenberg genannt, auf welchem man die spärlichen reste der Stammburg des längst erloschenen Geschlechts der Herren von Wunnenberg erblickt. Als jene Burg noch wohlerhalten war, lebte dort oben die Witwe eines Ritters Henko mit ihrem Sohne Idomir, der in die Tochter eines Alzeyer Ritters namens Hedda verliebt war. Die schöne Hedda war ihrerseits auch dem Idomir zugetan, aber ihr Vater hatte sie dem Ritter Eckhard zu Neu-Bamberg versprochen. Als Hedda und Idomir einmal ein Stelldichein am Erlenbusch verabredet hatten, widerriet die Mutter ihrem Sohne, dorthin zu gehen, weil das Käutzlein geklagt und der Uhu geschrieen hatte, was nichts Gutes zu bedeuten hat. Und so geschah es auch: Als die Liebenden trotzdem in dem Gehölz vor den Toren Alzeys zusammenkamen, fielen sie unter den wütenden Streichen Eckhards und nahmen so ein bejammernswertes Ende. Das Paar wurde, wie es Idomir sterbend gewünscht hatte, an der Mordstätte begraben. Auch ließen die Angehörigen ein mächtiges Sandsteinkreuz an dem Ort errichten, wo die Tat geschehen war, das aber im Bauernkrieg verschwunden sein soll. In sturmbewegter Nacht will man heute noch vom Windberg das Klagen der nach ihrem Sohne ausschauende Mutter vernehmen.